13.11.2019

„Ich finde es großartig, dass die Jugendlichen tiefgreifende Maßnahmen einfordern.“

Interview mit Ingrid Buttler, einer ehemaligen Lehrerin an der Halepaghen-Schule

Redaktion:
Liebe Ingrid, du hast lange Zeit Politik unterrichtet. Wie beurteilst du die neue Schülerbewegung Fridays for Future? 

Ingrid Buttler:
Man hat lange die angebliche Passivität der jungen Leute beklagt. Diese Einschätzung habe ich nie geteilt. Ein kritisches Bewusstsein gerade gegenüber der Umweltverschmutzung gab es immer, doch im Wesentlichen nur individuell. Viele Jugendliche waren ratlos, was sie machen sollten. Hier hat Greta einen Impuls gegeben. Die neue Qualität besteht darin, gemeinsam aktiv und vernehmbar zu werden!

Redaktion:
Vernehmbar schön und gut, aber muss man dafür die Schule schwänzen?

Ingrid Buttler:
„Schwänzen“ klingt nach faul zu Hause herumhängen. Hier geht es aber um einen Streik. Gerade weil Schüler und Schülerinnen offiziell kein Streikrecht haben, handelt es sich um eine Regelverletzung. Aber die ist nötig, um gehört zu werden.

Redaktion:
Regelverletzungen sehen Lehrer*innen und Schulleitungen jedoch nicht so gern.

Ingrid Buttler:
Erstmal haben Schulleitungen und Lehrer*innen durchaus einen Spielraum, wie sie damit umgehen, und der wird von vielen auch genutzt! Vor allem aber sollten wir als Pädagoginnen eines unserer wichtigsten Erziehungsziele als erreicht sehen, nämlich als mündiger Staatsbürger bzw. Staatsbürgerin aufzutreten! Deshalb sollten Schulleitungen und Lehrer*innen die jungen Leute im Rahmen ihrer Möglichkeiten unbedingt unterstützen.

Redaktion:
Ist ein mündiger Staatsbürger nicht der, der zur Wahl geht?

Ingrid Buttler:
Ja, aber das reicht angesichts der aktuellen Klimakatastrophe offenbar nicht. Die Politiker haben das Problem bisher nicht ernst genug genommen. Ich finde es großartig, dass die Jugendlichen tiefgreifende Maßnahmen jetzt einfordern.

Redaktion:
Danke für dieses Interview.

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