22.01.2020

AfD und Lesekompetenz

Da hätte die AfD Buxtehude im PISA-Ranking ganz schön nach unten gedrückt: In den PISA-Studien wird bekanntlich untersucht, wie gut Jugendliche am Ende ihrer Pflichtschulzeit grundlegende Kompetenzen in alltäglichen Situationen anwenden können. 2018 ging es z.B. um Lesekompetenz. Da wurde die Fähigkeit untersucht, relevante Informationen aus Texten zu lokalisieren, Texte zu verstehen, sie zu bewerten und über sie zu reflektieren.

An dieser Fähigkeit hat sich die AfD dieser Tage auch abgearbeitet. Sie hat sich dazu an einen mächtigen Text getraut, nämlich an die „Entschließung der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen“ von 1998. Und ist - wie sollte es anders sein – grandios Baden gegangen.

Die Menschenrechtskommission hatte sich des Themas Vertreibung und Umsiedlung von Bevölkerungsgruppen sowie der Besiedelung besetzter Gebiet durch andere, dort nicht sesshafter Bevölkerungsgruppen angenommen - wie es z.B. während der Naziherrschaft in den sogenannten Ostgebieten praktiziert wurde oder wie es derzeit die Politik der Chinesen gegenüber den Uiguren ist oder wie die Türkei es entlang der türkisch-syrischen Grenze gerade versucht. 
Ein solches Vorgehen wurde in der Erklärung als rechtwidrig gebrandmarkt. Das ist der Kern der Artikel 6 und 7, die die AfD gerade in Buxtehude unter die Bürger*innen bringt. Allein es hapert bei der AfD am „Weltwissen“ würden PISA-Forscher sagen: „Weltwissen spielt beim Lesen deshalb eine wichtige Rolle, weil es als sogenanntes Vorwissen Einfluss nimmt auf das Textverstehen. Je mehr Vorwissen in Bezug auf den Text vorhanden ist, desto leichter können die Textinhalte verstanden und in das vorhandene Wissen integriert werden.“

Manch Eine*r hätte sich wohl nach Lektüre des Handzettels die Augen gerieben und sich gefragt, ob die Damen und Herren der AfD jetzt glaubten, sie seien statt in Buxtehude in Berlin in der Bundesregierung und wollten Außenpolitik gegenüber China oder der Türkei machen. Aber nein, sie wollen nur das sagen, was sie immer sagen: Sie wollen keine Seebrücke und keine Migranten. Nur wenn einem dann die Argumente ausgehen und es mit der Lesekompetenz auch nicht so weit her ist, macht man sich halt peinlich.

 

Entschließung der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen vom 17.4.1998

Art. 6
Jegliche Praxis oder Politik, die das Ziel oder den Effekt hat, die demographische
Zusammensetzung einer Region, in der eine nationale, ethnische, sprachliche oder
andere Minderheit oder eine autochthone Bevölkerung ansässig ist, zu ändern, sei es durch Vertreibung, Umsiedlung und/oder durch die Sesshaftmachung von Siedlern oder eine Kombination davon, ist rechtswidrig.

Art. 7
Bevölkerungstransfers oder -austausche können nicht durch internationale
Vereinbarungen legalisiert werden... wenn sie grundlegende Bestimmungen der
Menschenrechte oder zwingenden Normen des Völkerrechts verletzen.

Mehr über die Seebrücke findet ihr hier!

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