Über giftigen Modder, breitbeinige Bürgermeister und eine kleine Insel

Hamburg will vor Scharhörn Hafenschlick verklappen. Gegen dieses Vorhaben richteten sich in einer Presseerklärung die grüne Landtagsabgeordnete Eva Viehoff und der grüne Bundestagsabgeordnete Stefan Wenzel. 

Sie fassten dort noch einmal zusammen, was jeder in der Region weiß:
- Der Hafenschlick ist hochgradig giftig und sollte besser an Land deponiert werden,
- die Verklappung gefährdet nicht nur die die Vogelschutzinsel Scharhörn, sondern das gesamte Naturschutzgebiet Wattenmeer,
- und der giftige Modder kommt von dort bei der nächsten Sturmflut wieder zurück und muss erneut ausgebaggert werden.

Deshalb mahnten beide: Es müsse endlich Vernunft einkehren. „Selbst die Hamburger Hafenwirtschaft erkennt inzwischen, dass sich die Hansestadt weiter in eine umwelt- und hafenpolitische Sackgasse manövriert. Nicht Gigafrachter und Bagger sichern Hamburgs Zukunft, sondern eine kluge Kooperation der Hafenstädte an der Nordseeküste“.

Das Presseecho auf diese Erklärung tendierte gegen null, bis Stefan Wenzel nachlegte:
„Die Rücksichtslosigkeit der Hamburger provoziert einen Grundsatzstreit. Wenn die Hansestadt im betreffenden Gebiet eine Schlickdeponie einrichten will und für sich das alleinige Entscheidungsrecht reklamiert, stellen wir in Frage, ob Neuwerk überhaupt rechtmäßig Hamburger Hoheitsgebiet geworden ist! (…) Wenn Hamburg in der aktuellen Auseinandersetzung wieder einmal die Anrainer brüskiert, dann wäre es doch interessant zu erfahren, ob sich dieses breitbeinige Auftreten überhaupt durch eine juristisch wasserfeste Rechtslage begründen lässt.“

Nun wurde es zum Aufreger-Thema: Von der „Zeit“ bis zur „Hamburger Morgenpost“ rauschte es im Blätterwald. Die Mopo titelte: „Grünen-Politiker will Hamburg seine Nordsee-Insel wegnehmen!“

Bei dieser Skandalisierung bleibt zu hoffen, dass der Kern des Themas, die Schlickverklappung, nicht im allgemeinen Aufschrei untergeht. Und vielleicht raten die grünen Senatsmitglieder ihrem Chef, dass eine breitbeinige Basta-Mentalität zur Ära Schröder gehört, und den mag, nebenbei bemerkt, außer Putin keiner mehr. (JB)

 

Hier geht es zur Presseerklärung von Eva und Stefan gegen die Schlickverklappung

und hier zur Presseerklärung Stefans zur Überprüfung, wem Neuwerk eigentlich gehört.



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